Glutenunverträglichkeit
Aktualisiert: 28. Sept.

Der Begriff Glutenunverträglichkeit,(Glutenintoleranz) beinhaltet Glutensensivität, einheimische Sprue oder Zöliakie. Das Immunsystem der Betroffenen Patienten sieht Gluten als Fremdstoff an, so dass eine Immunreaktion in Gang gesetzt wird, die verschieden Symptome hervorrufen kann.
Zöliakie und Glutensensitivität – Der Unterschied
Bei einer Zöliakie nun kommt es infolge Weizen- bzw. Glutenverzehrs zu Entzündungen der Darmschleimhaut. Im Verlauf der Krankheit bildet sich die Darmschleimhaut immer weiter zurück, die Nährstoffaufnahme wird erschwert und es kommt nicht nur zu Verdauungsbeschwerden mit Erbrechen, Bauchweh und Durchfall, sondern auch zu Nährstoffmängeln und Gewichtsabnahme.
Eine Glutensensitivität äussert sich in ganz ähnlichen Leiden, doch können sich hier ausserdem solche Symptome zeigen, die man auf Anhieb gar nicht mit dem Verdauungssystem in Verbindung bringen würde. Dazu gehören Migräne und chronische Müdigkeit genauso wie Hyperaktivität, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) und womöglich auch autistische Störungen.
Der Unterschied zwischen beiden Erscheinungen liegt darin, dass es bei der Zöliakie zu immunologischen Reaktionen, ja sogar zu Autoimmunreaktionen kommt, im Verlauf derer der Körper seine eigene Darmschleimhaut angreift, während bei der Glutensensitivität das Immunsystem an der Verursachung des Symptomkomplexes nicht beteiligt sein soll.
Gluten
Gluten ein Eiweißgemisch, welches in verschiedenen Getreidesorten vorkommt. Das Enzym mit dem Namen „Transglutaminase“ spaltet beim Gesunden das Eiweißgemisch Gluten in der Dünndarmschleimhaut.
Bei Menschen mit Glutenunverträglichkeit bilden sich Antikörper (IgA) gegen das Enzym. Durch diese Immunreaktion kommt es zu einer Entzündung der Darmschleimhaut.
Die Darmschleimhaut wird geschädigt und Nährstoffe werden nicht richtig aufgenommen.
Erschöpfungserscheinungen, Umnebelungs-Gefühl, Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Störungen im Nervensystem, Stimmungsschwankungen, bleibendes Übergewicht oder Fibromyalgie (Bindegewebs- und Muskelschmerzen) gehören dazu. Diese Symptome können Folge von Mangelerscheinungen (Mineralstoffe, Vitamine) wegen einer schon bestehenden Malabsorption sein.
Ein ebenso wichtiger Aspekt zur Glutenintoleranz ist, dass Kinder (schon bei einem Säugling kann eine Zöliakie diagnostiziert werden) und Erwachsene (meist zwischen 20. und 60. Lebensjahr) gleichermaßen darunter leiden können. Außerdem besteht bei 30 % bis 40 % der Bevölkerung eine genetische Vorbelastung. Diese ist übrigens eine Voraussetzung für die Erkrankung. In Deutschland, so schätzen Experten, gibt es etwa 300 000 Menschen mit Zöliakie.
Hier einige typische Symptome, die auf eine Glutenintoleranz hinweisen können,
speziell bei Kindern:
• Appetitlosigkeit
• Blähungen
• Blutarmut (Blässe)
• Durchfälle
• Erbrechen
• Gliederschmerzen (gehäuft auftretend)
• Konzentrationsstörungen
• Muskelschwäche
Meist bei Kleinkindern kommt eine spezielle Weizenallergie vor, bei der sich T-Lymphozyten oder spezielle Antikörper gegen bestimmte Weizen-Allergene richten.
Bei Erwachsenen mit Glutenunverträglichkeit können folgende Anzeichen gehäuft vorkommen:
• Blähungen und öfter übelriechender Durchfall
• Blutarmut
• Depressionen
• Ekzeme
• Gliederschmerzen
• Juckreiz
• Kopfschmerzen
• Müdigkeit
• Untergewicht
• Verhaltensstörungen
Sechs Gluten-Symptome
Wir stellen Ihnen nun zunächst sechs häufige Symptome vor, die mit einer Glutensensitivität einhergehen können und geben dann Hinweise, wie Sie sicher gehen können, ob es sich bei Ihnen – falls Sie an diesen (oder auch anderen rätselhaften Symptomen) leiden – um eine Glutensensitivität handelt oder nicht.
Manchmal halten sich die Symptome immer nur wenige Stunden. In manch anderen Fällen, bleiben die Symptome über viele Wochen hinweg bestehen und sind damit gar schon chronisch geworden.
1. Verdauungsbeschwerden
Verdauungsbeschwerden gehören zu den häufigsten Symptomen einer Glutenunverträglichkeit. Hierzu gehören Blähungen, nicht abgehende Blähungen, Bauchkrämpfe ohne medizinischen Befund, Verstopfung, Durchfall oder beides abwechselnd.
Häufig werden Menschen mit diesen Symptomen – wenn sich mit den üblichen Diagnosemethoden keine körperlichen Ursachen finden lassen – vom Arzt mit der Diagnose Reizdarmsyndrom bedacht.
2. Migräne und Depressionen
Während Verdauungsbeschwerden meist den Verdacht nahe legen, dass die Ernährung an deren Entstehung beteiligt sein könnte, ist das bei Kopfschmerzen und Migräne jedoch selten der Fall. Selbst manche Migräneexperten behaupten, dass ein Zusammenhang zwischen bestimmten Lebensmitteln und einer Kopfschmerzattacke nur auf Einbildung oder falschen Schlussfolgerungen der Patienten beruhe.
Ob es nun Einbildung ist, dass eine Migräne häufig bei jenen Patienten auftritt, die zu Blutzuckerschwankungen bzw. einer entsprechend zuckerreichen Ernährung neigen, bei Patienten, die empfindlich auf histaminreiche Lebensmittel reagieren (reifer Käse, Wein, Räucherfisch etc.) oder bei Patienten, die Koffein nicht vertragen, mag ja – mangels wissenschaftlicher Beweise - bezweifelt werden können.
Nicht bezweifelt werden kann jedoch der Zusammenhang zwischen Gluten und Kopfschmerz.
Bereits mehrere Studien belegen hier, dass eine Glutenunverträglichkeit nicht nur ein Problem ist, das im Darm sein Unwesen treibt, sondern vielmehr eine Krankheit darstellt, die zu eindeutigen neurologischen Störungen einschliesslich Kopfschmerz führen kann.
So schreibt beispielsweise Dr. Rodney Ford von der Kinderklinik für Gastroenterologie und Allergien in Christchurch, Neuseeland in seiner Arbeit "Das Gluten-Syndrom: Eine neurologische Krankheit", dass Gluten sowohl bei Zöliakie als auch bei einer Glutensensitivität das Nervensystem schädige und somit neurologische Symptome auslöse. In seiner Zusammenfassung gibt er folgendes an:
Gluten kann aufgrund einer Kombination aus kreuzreagierenden Antikörpern, einer Serumkrankheit und direkter Toxizität neurologische Schäden verursachen. Diese Schäden können sich in einer Regulationsstörung des autonomen Nervensystems, in Zerebellären Ataxien (Bewegungsstörungen, die ihren Ursprung im Gehirn haben), in einer Hypotonie (niedriger Blutdruck), in Entwicklungs- und Lernstörungen (bei Kindern), in Depressionen sowie Migräne und Kopfschmerz zeigen.
3. Kribbeln und Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
Auch Schwindel, Gleichgewichtsstörungen sowie Schwäche-, Kribbel- oder Taubheitsgefühle in Armen und Beinen weisen auf Störungen im Nervensystem hin und können daher auf eine Glutensensitivität hinweisen.
4. Autoimmunerkrankungen
Selbst Autoimmunerkrankungen – wie z. B. die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto oder eine rheumatoide Arthritis – können ein Zeichen einer Glutensensitivität sein bzw. sich durch eine solche gravierend verschlechtern. Eine Glutenunverträglichkeit kann Autoimmunerkrankungen verschlechtern.
5. Fibromyalgie
Fibromyalgie ist vermutlich keine Krankheit, sondern ein Symptomenkomplex mit unbekannter Ursache. Ähnlich wie beim Reizdarmsyndrom könnte auch die Fibromyalgiediagnose in manchen Fällen nichts weiter sein als eine Verlegenheitsdiagnose, weil sich eben keine Erklärung für die vorhandenen Symptome finden lässt.
Doch ist es wirklich hilfreich, wenn man Ihnen sagt, Sie hätten Muskel- und Bindegewebsschmerzen? Nichts anderes bedeutet der Begriff "Fibromyalgie". "Fibro" heisst Bindegewebe, "Myo" steht für Muskeln und "Algia" bedeutet Schmerz.
Wie aber würden Sie es finden, wenn Ihre Symptome – wie auch immer man sie nennen mag – nichts weiter als die Folgen einer unerkannten Glutensensitivität wären? Wenn sich Ihre Symptome merklich bessern würden, wenn Sie Ihre Ernährung umstellten?
Wenn Sie in Wirklichkeit Antidepressiva, Muskelrelaxantien, Schmerzmittel etc. bräuchten, sondern aufgrund Ihrer Glutensensitivität viel eher eine glutenfreie Ernährung nötig hätten?
Letzterer habe eine vermehrte IgG-Antikörper-Ablagerung in der Haut von Fibromyalgie-Patienten nachweisen können, so dass man vermuten könne, die Fibromyalgie stehe mit Nahrungsmittelallergien in Verbindung oder werde von diesen zumindest verschlimmert.
Die Schulmedizin hält von einer Verbindung zwischen IgG-Antikörpern und bestimmten chronischen Beschwerden dennoch nahezu gar nichts, ja, sie rät in den meisten Fällen sogar von diätetischen Einschränkungen ab, da diese sinnlos seien.
An Krauses Projekt nun nahmen 68 Patienten teil, die durchschnittlich seit 10 Jahren an einer ärztlich diagnostizierten Fibromyalgie litten. Nach 8 Wochen, in denen sie jene Lebensmittel aus ihrem Speiseplan eliminierten, gegen die man bei ihnen IgG-Antikörper gefunden hatte (= Eliminationsdiät), klagten nur noch 25 % der Patienten an Muskelschmerzen. Zu Beginn der Studie waren es 66 % gewesen. Anfangs schliefen 63 % sehr schlecht, nach 8 Wochen Diät waren es nur noch 22 %. Gelenkschmerzen begleiteten 54 % der Patienten vor der Studie, nach 8 Wochen nur noch 29 %.
Auch sämtliche andere Symptome besserten sich markant, ob Migräne, Depression, Reizblase, Wortfindungsstörungen, Rückenschmerzen, schmerzhafte Regelblutung, kribbelnde oder taube Füsse, trockene Schleimhäute Tinnitus, , geschwollene Hände, Füsse und Gesicht etc.
Zwar führten die Patienten nicht ausschliesslich eine glutenfreie Diät durch, sondern eine Eliminationsdiät, was bedeutet, dass sie auch andere Lebensmittel mieden, die sich im IgG-Test für sie persönlich als problematisch entpuppt hatten.
Da jedoch Gluten zu den häufigsten Allergenen zählt, lohnt es sich – insbesondere für Menschen, die keinen IgG-Test machen möchten/können – zunächst einmal mit einer glutenfreien und idealerweise auch einer milchfreien Ernährung zu beginnen.
6. Ständige Müdigkeit
Manche Menschen fühlen sich ständig wie zerschlagen, andere werden regelmässig nach dem Essen hundemüde und sind vorerst zu nichts mehr fähig. Häufig spricht man bei Menschen, deren Alltag von der ständigen Müdigkeit eingeschränkt wird, vom Chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS).
Doch bezeichnen viele Alternativmediziner auch dieses Syndrom – genau wie die Fibromyalgie (zu deren Symptomenkomplex ja auch die Müdigkeit gehören kann) – nicht als Krankheit. Schliesslich ist CFS (Chronisches Müdigkeitssyndrom) wieder nur die Bezeichnung für einen Zustand und bietet nicht den Hauch einer Ahnung in Bezug auf mögliche Ursachen.
Die ständige Müdigkeit ist übrigens eines jener Symptome, das sich bei Vorliegen einer Glutensensitivität nach der Umstellung auf eine glutenfreie Ernährungsweise am allerschnellsten verflüchtigen kann.
In oben genanntem Projekt waren vor der Ernährungsumstellung 60 % der Patienten tagsüber chronisch müde und 42 % litten an Antriebsschwäche. Nach 8 Wochen bezeichneten sich nur noch 22 % als müde und nur noch 17 % als antriebsschwach.
Machen Sie die 60-Tage-Probe!
Anschliessend streichen Sie für einen Zeitraum von 60 Tagen alle Produkte aus Ihrem Speiseplan, die Gluten enthalten. Streichen Sie nicht nur glutenhaltiges Brot und glutenhaltige Nudeln. Denken Sie auch daran, dass Gluten in vielen Fertigprodukten als Lebensmittelzusatz stecken kann, wie z. B. in vielen Süssigkeiten und sogar in Wurst.
Lesen Sie also beim Einkauf sorgfältig die Zutatenlisten und fragen Sie auch im Restaurant, ob das von Ihnen bestellte Gericht glutenfrei ist.
Ihnen ist beim Gedanken an die 60-Tage-Probe mulmig zumute? Sie bezweifeln, dass Sie das schaffen? Sie haben keine Lust, auf Ihre Frühstücksbrötchen zu verzichten. Und irgendwie glauben Sie auch nicht, dass Ihr "so gesundes" selbst gebackenes Vollkornbrot Ihnen schaden könnte?
Alle diese zweifelnden Gedanken könnten ganz besonders auf eine Unverträglichkeit hinweisen. Oft sind wir nämlich gerade nach jenen Dingen süchtig, die uns besonders stark schaden und gegen die sich unser Körper schon lange verzweifelt wehrt.
Bleiben Ihre Symptome unverändert bestehen, haben Sie höchstwahrscheinlich keine Glutensensitivität oder aber Ihre Ernährung enthält doch noch Gluten – etwa in Fertigprodukten – das Ihnen entgangen ist.
Verschwinden Ihre Symptome oder bessern Sie sich, dann sind Sie glutensensitiv und es lohnt sich, bei der glutenfreien Ernährung zu bleiben.
Verschwinden Ihre Symptome zwar, aber Sie können es immer noch nicht so recht glauben, dass dies ein Verdienst der glutenfreien Ernährung war? Schliesslich könnte das auch Zufall sein, nicht wahr?
Dann machen Sie nach der 60-Tage-Probe doch die Gegenprobe. Essen Sie jetzt am besten in jeder Mahlzeit irgendein glutenhaltiges Produkt. Meist zeigt Ihnen Ihr Körper schon nach dem ersten Glutentag, dass er lieber wieder glutenfrei ernährt werden möchte.
Diagnoseverfahren
Zwar kann mit Hilfe der Symptome eine erste Vorauswahl bei der Diagnose getätigt werden, Gewissheit bringen aber erst spezielle Diagnostik Verfahren. So lässt sich Zöliakie (Sprue) mittels bestimmter Blutmarker und einer Dünndarm Biopsie gut feststellen.
Die Bestimmung von Transglutaminase IgA-Antikörpern als zuverlässiger Indikator ist auch für eine Verlaufskontrolle sehr gut einsetzbar. Inzwischen haben sich auch neuere Zöliakie-Test-Methoden (Marker) etabliert. Sie bestimmen Endomysium-Antikörper (Endomysium= Gewebe der glatten Darm-Muskulatur) und IgG-Antikörper gege Gliadin(veränderte kleine Eiweißstücke).
Wichtig ist, dass diese Tests, wie auch Gewebeproben, nur bei glutenhaltiger Kost funktionieren und korrekte Ergebnisse bringen. Das Bestimmen spezifischer IgE-Antikörper kann bei Verdacht auf Weizenallergie nur eine Sensibilisierung nachweisen. Erst eine kontrollierte weizenfreie Diät mit anschließender gezielter weizenhaltiger Nahrungsaufnahme kann hier Gewissheit bringen.
Um eine allgemeine Glutensensitivität zu diagnostizieren, hilft praktisch nur ein Ausschlussverfahren mit folgendem Ablauf: Erst wenn Weizenallergie und Zöliakie sicher auszuschließen sind, gibt es eine Zeit lang eine glutenfreie Diät. Zeigt sich daraufhin eine Besserung des Allgemeinzustands und Minderung der Beschwerden, folgt eine kontrollierte, glutenreiche Ernährungsphase. Zeigt sich da eine klare Zunahme von typischen Beschwerden, ist eine Glutensensitivität als ziemlich sicher anzunehmen.
Wegen der vielen, auch zu anderen Erkrankungen passenden Anzeichen, die bei einer Glutenunverträglichkeit auftreten können, gibt es immer mal wieder Fehldiagnosen. Experten vermuten, dass deshalb die Zahl derer, die an einer Glutenintoleranz leiden, bedeutend höher ist, als die offizielle Einschätzung. Ärzten und Patienten fehlt offensichtlich noch die erforderliche Sensibilität im Umgang mit der Möglichkeit einer Glutensensitivität. Schließlich sind bis zu 40 % der Bevölkerung gentechnisch vorbelastet. Es sollte also künftig die Bereitschaft zu einer frühen und umfassenden Diagnostik da sein, um Menschen lange Leidenszeiten zu ersparen.
Maßnahmen bei Glutenunverträglichkeit
Wer als einer von etwa 0,5 % aller Deutschen mit der Diagnose Glutenintoleranz leben muss, kann leider noch nicht auf eine medikamentöse Behandlung setzen. Zwar gibt es Forscher, die sich mit dem Problem beschäftigen, aber Ergebnisse, die große Hoffnung machen, gibt es noch nicht. Experimente mit einem Botenstoff, dem Interleukin-15, führten in den USA zu einem interessanten Ergebnis. Bei Blockade des vorher in den Verdauungstrakt von Mäusen eingebrachten Botenstoffes konnte der Ausbruch einer Zöliakie verhindert werden.
Andere Bestrebungen gehen in Richtung einer Unterbrechung der Zöliakie-Aktivität an diversen Stellen. Auch außerhalb der Medizin, beispielsweise in der biologischen Forschung, versuchen Wissenschaftler das Mehl von Gluten zu befreien. Es sind noch etliche Forschungsansätze im Gang, ein Medikament gegen die Glutenunverträglichkeit ist aber derzeit noch nicht in Sicht!
Deshalb ist die einzig sinnvolle und wirksame Behandlung der Glutenunverträglichkeit das Einhalten einer strengen Diät. Da schon kleinste Mengen von Gluten die Unverträglichkeitsreaktion auslösen können, ist bei gesicherter Diagnose ein zuverlässiges Programm für eine strenge Diät das Mittel der Wahl. Diese Diät gilt lebenslang, nur dann bessern sich die Symptome. Kleinste Sünden (Einnahme kleinster Mengen Gluten) können die Entzündung der Dünndarmschleimhaut rasch wieder provozieren.
Ernährung nach Plan
Wichtig bei der Diättherapie ist, dass Betroffene die Notwendigkeit erkennen, einen Ernährungsplan aufzustellen und dann auch strikt einzuhalten. Weiterhin ist unbedingt erforderlich, dass Patienten mit dieser Erkrankung lernen müssen, die Produkte zu kennen bzw. jene Produkte zu erkennen, die Gluten enthalten. Deshalb ist sehr empfehlenswert, sich vor allem zu Beginn der ja dann voraussichtlich lebenslangen Ernährungstherapie von spezialisierten Ernährungsfachleuten beraten zu lassen. Zuerst aber gilt es, alle Getreidesorten zu identifizieren, die Gluten enthalten und somit eine allergisch-immunologische Abwehrreaktion in unserem Körper auslösen.
Dazu zählen:
• Dinkel
• Einkorn
• Emmer
• Gerste
• Grünkern
• Hafer
• Roggen
• Triticale
• Weizen
Alle Lebensmittel und Produkte, die solche Getreide enthalten, z. B. Brot, Müsli, Nudeln oder Semmeln sind unbedingt vom Speiseplan zu streichen. Dazu kommen etliche Lebensmittel, die Gluten in versteckter Form enthalten, weil glutenhaltige Bestandteile in ihnen vorkommen.
Dazu gehören beispielsweise:
• Bier (enthält z. B. Gerste, Weizen)
• Dessertspeisen (Gries)
• Fertiggerichte (Gluten in Zusatzstoffen enthalten)
• Frikadellen (Paniermehl)
• panierte Fisch- und Fleischgerichte (Paniermehl)
• Suppen und Soßen (glutenhaltige Binder usw.)
Genauso wichtig ist es, die Frage zu beantworten: Was ist garantiert glutenfrei und somit für die Ernährung bei einer Unverträglichkeit von Getreideeiweißstoffen zu empfehlen?
Da kommt erfreulicherweise eine ganze Liste, meist auch insgesamt recht gesunder Grundnahrungsmittel zusammen:
• Eier
• Fette und Öle (am besten pflanzlich)
• Fisch
• Fleisch
• Hülsenfrüchte
• Gemüse
• Kartoffeln
• Nüsse
• Obst
Als Getränke, die kein Gluten enthalten, sind erlaubt:
• Bohnenkaffee
• Fruchtsäfte (rein)
• Milch (nicht bei noch entzündeter Darmschleimhaut)
• Sekt
• Tees (Blätter, kein Instant)
• Wasser
• Wein
Ein schriftlicher Ernährungsplan, ergänzt mit detaillierten Einzelheiten zu Lebensmitteln, Gewürzen, Rezepten und Zutaten, ist sicher das beste Mittel, um ein Leben ohne Gluten rasch in den Griff zu bekommen.
Getreide
Amarant, eine Art Hirse liefernd, ist keine Getreideart sondern gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Mit Amarant lassen sich gute Breie und Suppen herstellen. Buchweizen lässt sich zu Gries Mehl verarbeiten, bietet sich als Grundstoff für leckere Breie, für Nudeln oder Suppen an.
Quinoa, auch Inka Reis bekannt, ist wie Amarant, ein Fuchsschwanzgewächs. Quiona lässt sich wie Reis verwenden, ist allerdings, wie auch Amarant, nicht zur Mehlherstellung (Backen) geeignet. Beide Alternativen zeichnen sich aber durch einen sehr hohen Gehalt an Eiweiß und Mineralstoffen aus.
Esskastanie. Da sie nicht zu den Grundnahrungsmitteln zählt, fand sie bisher keine Erwähnung. Früher gehörte diese Edelfrucht vom Kastanienbaum als “Brot der armen Leute” tatsächlich, vor allem bei der Landbevölkerung, zu den besonders wichtigen Grundnahrungsmitteln. Wegen ihrer vielen interessanten Inhaltsstoffe gehört die Esskastanie, verwendbar wie die Kartoffel, auf die Speisekarte der glutenfreien Ernährung. Als Beilage zu Geflügel oder Fleisch eignet sich Kastanie (gekocht) hervorragend. Ihr Gehalt an Mineralstoffen (z. B. viel Kalium), an Vitaminen (A, B und C), an Stärke und Zucker macht diese Frucht enorm wertvoll für die glutenfreie Diät.
Schließlich ist gerade bei Zöliakie und Glutensensitivität die Gefahr groß, dass wegen einer gestörten Nährstoffaufnahme rasch Mangelerscheinungen auftreten. Dies kann in Form von Mineralstoff- und Vitamindefiziten auf Dauer unangenehme Folgen haben. Deshalb ist es enorm wichtig neben Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten dem Körper wichtige Mineralstoffe zu zuführen. So sind beispielsweise Mengenstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium oder Natrium für unseren Körper lebensnotwendig. Ebenso Spurenelemente wie Eisen, Fluor, Mangan oder Zink sowie Vitamin C, der Vitamin B-Komplex, die Vitamine D und E.
Wichtige Körperfunktionen wie z. B. Blutbildung, Immunsystem, Kreislaufsystem, Nervensystem und Stoffwechsel sind in irgendeiner Weise auf diese Stoffe angewiesen. Es lohnt sich also, einen Plan zu erstellen, mit dessen Hilfe eine wohlschmeckende und glutenfreie Ernährung gewährleistet ist. Wahrscheinlich sind zu den reinen Lebensmitteln noch Nahrungsergänzungsmittel zum sicheren Erhalt des erhöhten Nährstoffbedarfs nötig. Eines aber ist sicher: Selbst kochen lohnt sich! So lässt sich am ehesten vermeiden, dass verstecktes Gluten doch noch irgendwie in unseren dagegen empfindlichen Dünndarm gelangt.
Küchentipps
Um Gluten in den Speisen sicher auszuschließen, beginnen bei der Diät Disziplin und Konsequenz mit Kontrollen. Dazu gehört tatsächlich ein gewisses Training, der Blick für Wesentliches. Schon beim Einkauf Angaben auf Verpackungen genau zu lesen ist sehr empfehlenswert. Vor allem bei den Zutaten ist genaues Durchlesen wichtig. Als glutenfrei gelten Lebensmittel, die höchstens 2 mg Gluten je 100 g enthalten. Zudem sind glutenfreie Lebensmittel oft an dem gelben Siegel und der darauf sichtbaren durchgestrichenen Getreideähre zu erkennen.
In der Küche selbst sind besondere Aufmerksamkeit und Sauberkeit gefragt. Am besten Gerichte ohne Gluten zuerst bereiten. So können keine Reste von glutenhaltigen Lebensmitteln verschleppt werden. Wer Küchenzubehör aus Holz verwendet, sollte es gegen Glas- oder Kunststoffzubehör austauschen. Alle Arbeitsflächen, Bestecke, Gefäße und Geräte sowie die eigenen Hände immer gründlich reinigen. Am besten ist es, glutenhaltige Lebensmittel und Küchengeräte streng von den glutenfreien zu trennen. So lassen sich am sichersten Übertragungen von Gluten verhindern.
Wie lecker und vielfältig eine glutenfreie Ernährung sein kann, sollen nachfolgende Beispiele darstellen:
Die glutenfreie Ernährung
Eine glutenfreie Ernährung schliesst Weizen, Roggen, Gersten, Dinkel, Kamut, Hafer, Einkorn, Emmer und alle Produkte aus, die diese Getreide enthalten. Denken Sie daran, dass auch solche Fertigprodukte glutenhaltige Bestandteile enthalten können, bei denen man nicht gleich an Mehl und Getreide denkt, wie z. B. Fertigsuppen, Saucen, Salatdressings, Schokoriegel und vieles andere mehr.
Glutenfrei sind hingegen Quinoa, Buchweizen, Hirse, Amaranth, Reis, Mais sowie natürlich auch Erdmandeln, Esskastanien, Teff und Nussmehle. Gerade aus Erdmandeln (auch Chufas genannt), Mandeln, Braunhirseflocken und Esskastanien lassen sich sehr köstliche und basenüberschüssige Mahlzeiten zaubern – wie unser untenstehendes Frühstücksrezept beweist.


